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Die Zeit des althergebrachten Tabellen-Layouts und der vielfältigen Tricks und Kniffe, mit denen wir dessen Mängel kreativ umschiffen konnten, neigt sich dem Ende zu. Wir müssen Neues lernen, ganz anders an ein Layout herangehen - und dabei möglichst bald vergessen, wie schwerfällig wir uns im Gefängnis der Tabellenzellen "bewegten". Mit CSS zu gestalten ist eine wunderbare Befreiung - allerdings spürt man es erst, wenn man sich vom ersten Schock erholt und ein paar intensive Selbstversuche hinter sich hat.
Die Trennung von Inhalt und Form der Darstellung per CSS ist nicht sinnleerer Fortschritt um des Fortschritts willen. Sie wird täglich wichtiger in einem Web, das immer weniger mit State-of-the-Art-PCs besucht wird, sondern auch mit Handhelds, Notebooks, den aufkommenden Bildschirmen in Autos, demnächst mit UMTS-Handys und lange schon mit Screen-Readern. Letztere werden nicht mehr ausschließlich von Blinden benutzt, es könnte bald ein Trend werden, sich beim Autofahren statt Radio zu hören eine Website vorlesen zu lassen. Verschachtelte Tabellen - wir ahnten es! - sind nicht wirklich vorlesbar.
Der konzequente Einsatz von standardisierten CSS ist mehr als ein Spiel: Hier steht nicht das Layout, das Äußere, das eigentlich Flexibelste aller Anforderungen im Vordergrund. Am Anfang steht das Dokument, genauer: sein Inhalt. Ihm gilt es, eine der Sache und den Usererwartungen möglichst angemessene Form zu geben - so sollte es sein. Dieser Inhalt lässt sich mit beliebigen Layouts versehen.
Es ist eine interessante Erfahrung, mit einer sinnvoll (!) strukturierten HTML-Datei zu beginnen, noch ohne an ein konkretes Design auch nur zu denken. Dieses Dokument enthält ausschließlich Struktur-HTML, also keinerlei TAGS, die eine bestimmte Gestalt vorgeben. So hat man immer gleich eine Druckversion zur Verfügung - und die Puristen können sich an der schlichten Optik von 1995 erfreuen.
Dann werden dem kahlen Gerippe Kleider gewebt - für jede beliebige Gelegenheit, alles scheint möglich. Alles? Wir wissen es nicht, stehen selber am Anfang, doch finden wird die spärlichen CSS-Seiten, die hier und da schon im Web zu sehen sind, gelegentlich ein bisschen eintönig. Lasst uns experimentieren, Gewohnheiten auf den Kopf stellen, Grenzen erforschen! Mit CSS ist Webcoding auf einmal wieder so spannend wie HTML in den wilden frühen Jahren.